Im Zimmer nebenan zerspringen die Fenster, als würde die Wohnung keine Luft mehr bekommen und als versucht sie sich durch einen tiefen Atemzug wieder etwas Raum zu verschaffen.  Holz zerbricht und weicht den vielen dunklen Rauchwolken die sich erst über dem Boden und dann weiter im gesamten Haus ausbreiten. Man kann überall die knisternden Flammen hören die sich vom Keller bis in die zweite Etage vorgearbeitet haben.
Paul schläft. Weil Paul meistens nachts arbeitet schläft Paul auch tief und fest. Paul hört leider nichts von dem Lärm und riecht nichts von dem Gestank seiner in Flammen stehenden Wohnung. Auch als das Feuer sein Schlafzimmer erreicht hat bleibt er friedlich im Bett liegen.
Plötzlich wird Pauls Schlaf von dem Quiecken seiner Katze gestört. Nachdem er sie geistesabwesend vom Bett gescheucht hat um sich auf die andere Seite zu drehen wird er von einem üblen Gestank im Zimmer wach.
Reflexartig greift Paul sein Telefon und verlässt panisch und in Unterhose das Haus in die kalte Nacht, um von draußen mit ansehen zu dürfen, wie sein Haus mit seinem gesamten Besitz und allen privaten und persönlichen Dingen vor seinen Augen niederbrennt. Immerhin, Paul lebt.

Als wir letzte Woche ein Konzert in Brunsbüttel bei der Stiftung Mensch gespielt haben gab es einen Tonmann. Paul. Gut, ich hab den Namen geändert, aber das tut nichts zur Sache. Zwei Tage vorher ist unserem Tonmann vor Ort diese unglaubliche Geschichte wirklich wiederfahren.

Da kamen mir sofort drei Fragen in den Kopf: 1. Wie zum Geier kann man schon zwei Tage später wieder zur Arbeit gehen, als wäre nichts gewesen? 2. Wie muss man sich fühlen wenn man aufwacht und sein Überleben der eigenen Katze verdankt?  3. Wie muss sich ein Leben anfühlen in dem man NICHTS mehr außer seinem Telefon besitzt?

Pauls Lächeln und Lebensfreude, als er uns die Geschichte erzählt hatte war so dermaßen berührend und inspirierend, dass ich seine Geschichte unbedingt mit euch teilen wollte.

Gute Nacht
Rocco