Seit einigen Tagen geht mir durch den Kopf, dass unser Blog mal wieder gefüttert werden könnte und irgendwie stelle ich mir vor jedem Eintrag die gleiche Frage: was schreibt man in so einen Blogartikel eigentlich rein? Was wollt ihr lesen?
Um ganz ehrlich zu sein, ich habe nach wie vor keine Ahnung und deshalb erzähle ich eine kurze Geschichte, die mir vor zwei Wochen passiert ist.

Ich bin mit dem Flugzeug von Barcelona zurück nach Berlin geflogen. Ich bin nicht unbedingt das, was man einen Fan vom Fliegen bezeichnen würde, und da ganz Europa an dem Tag eine riesige Wolkenparty veranstaltet hat, wurden die zwei Stunden Flug für mich zu einem echten Trip.
Das mir sowohl Freunde als auch die Stewardessen schon mehrfach erklärt haben, dass Flugzeuge in turbulenten Gebieten nicht gleich einfach so in sich zusammenklappen und wie in Actionfilmen dramatisch abstürzen versteh ich zwar immer, aber panisch werde ich vorsichtshalber trotzdem, das fühlt sich irgendwie traditioneller an und damit auch irgendwie sicherer.
Nach ungefähr einer Stunde komplett unentspanntem Gerüttel wurde ich langsam so müde, dass ich kaum noch die Kraft hatte mir noch mehr Absturzszenarien auszumalen. In genau dem Moment kam die entscheidende Durchsage vom Kapitän und sie hat gereicht, mich für den Rest des Fluges noch mal so richtig wach und noch sensibler für jedes Geräusch im Flieger zu machen. Es war diese beruhigende Stimmlage die einem sagen soll, alles wäre in Ordnung, aber genau DAS macht einen dann erst so richtig unruhig. Mit genau dieser Stimmlage wies er die Crew an, sich anzuschnallen und jeden Service SOFORT einzustellen. Aber alles ist in Ordnung.
Ich saß da nun also ca. neunzig Minuten buchstäblich schweißgebadet zwischen 5 schreienden Babys und jetzt auch noch ohne den seelischen Beistand der Crew. Ich war echt fix und fertig.

Und dann plötzlich kam mir ein Gedanke.

Ich dachte so zu mir selber folgendes: Wenn ich gesund in Berlin ankomme, dann passiert das, ohne dass es in meinen Händen liegt. Und wenn wir jeden Moment mit diesem Flugzeug abstürzen sollten, dann passiert auch dass komplett ohne dass sich das Flugzeug, der Kapitän, die Luft oder die Erde auf der das Flugzeug aufschlägt für meine Meinung interessieren würden. Ich habe also absolut nicht die geringste Kontrolle über den Lauf dieses Geschehens. ABER ich habe schon seid neunzig Minuten jede Sekunde die Kontrolle über das, was ich hier denke. Ich entscheide seid neunzig Minuten, dass mir der Flug keinen Spaß macht und ich dass gerade eine unangenehme Zeit verbringe. Ich kann das jeden Moment neu entscheiden. Und ich tue es auch, ob mir das bewusst ist oder nicht.

Als ich das begriffen habe wurde es plötzlich richtig still in mir. Ich konnte mich plötzlich entscheiden, mich nicht gleich bei jedem kleinen Ruckler selbst in Panik zu versetzen. Und ganz plötzlich wurde der Flug nicht nur ertragbar sondern regelrecht schön. Ich hatte plötzlich die Ruhe den beeindruckenden Sonnenuntergang oberhalb der Wolkenfront zu genießen und dieses Gefühl der Ausgeglichenheit hielt noch an, bis wir in Berlin gelandet sind.

Jedes mal, wenn sich mir seit dem eine Situation auftat die mir irgendwie nicht gefallen hat, oder ich wieder mal zu müde oder abgelenkt war die Situation wirklich zu genießen, habe ich versucht mich daran zu erinnern, dass nicht die Situation maßgeblich dafür ist wie ich mich gerade fühle, sondern meine eigene Entscheidung, wie ich mich fühlen WILL.
Wenn es sogar mit solch einer Angst vor dem Flugzeugabsturz funktioniert hat, sind manch andere Alltagsprobleme ziemlich einfach durch diesen Blickwinkel zu bewältigen.

Ich musste gerade irgendwie passenderweise an Reinhard Meys „Über den Wolken“ denken, aber ich bin ja Fan davon, sich lieber unter den Wolken ein bisschen mehr Freiheit zu schaffen.

In diesem Sinne gute Nacht

Rocco